Humus und Klima
Klimatische Faktoren

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vorwort von ferdinand rüf

in dieser arbeit versuche ich, auf die klimatischen aspekte im zusammenhang mit dem thema boden/humus einzugehen. gleich vorweg, die arbeit ist keineswegs vollständig, sondern versucht, einen ersten einblick in die vielfältige materie zu liefern. für eine weitere und vertiefte auseinandersetzung mit der thematik ist am ende eine weiterführende literatur- und linkliste angefügt.

ferdinand rüf, mai 2011


Weitere Information

Ferdinand Rüf,
ferdinand.ruef (@) aon.at
klimatische
faktoren
auf der erde finden sich verschiedene klimazonen, die räumlich definiert folgendermaßen unterteilt werden können: 
A) groß- oder makroklima: kontinental und global. 
B) landschafts- oder mesoklima: zieht sich über regionen, auch als topoklima bezeichnet . 
C) mikroklima: von 100 m bis mehrere km. 

Es wird auch als lokal- oder standortklima bezeichnet, betrifft den boden und niedere luftschichten. durch unsere eingriffe und die art der bewirtschaftung verändern wir das mikroklima, nutzen und verändern aber auch das mesoklima und hinterlassen im großklima ebenfalls unsere spuren. 
 
ein wichtiger klimafaktor ist die sonneneinstrahlung. diese kann anhand von temperaturextremen, temperaturmittel und temperaturperioden beschrieben werden. weitere anhaltspunkte sind strahlungsart (direkt bis diffus), strahlenmenge und einfallswinkel. ohne licht gibt es keine photosynthese, ohne wärme keine verdunstung und windbewegung und keinen wasseraustausch. für die wärme und nutzung von fläche sind einfallswinkel und himmelsrichtung, reflektion (farbe und struktur der oberflächen) von bedeutung. 
so kommt zum tragen, dass waagrechte flächen andere bedingungen haben als hanglagen. aufgrund des strahleneinfallswinkels herrschen bei hanglagen extremere bedingungen. zwischen nord- und südhängen können temperaturunterschiede bis über 50 grad celsius am fels auftreten.
 
für die wärmeaufnahme des bodens sind die farbe und struktur der bodenoberfläche ausschlaggebend. so nehmen dunkle böden die wärme besser an. 
die wärmespeicherfähigkeit hängt von der art des bodens ab. feuchte oder/und feste böden nehmen die wärme besser auf und leiten die wärme besser ab als sandige oder/und trockene. temperaturschwankungen können einige meter im boden nachgewiesen werden. 
für den boden, das bodenleben ist es wichtig, eine durchgängig narbe (auch im grünland) zu erhalten. die bodendeckung ist eine pufferzone gegen hitze und kälte. planzen und bodenleben werden besser geschützt, erhalten ausgeglichenere temperaturen.

ein weiterer klimafaktor ist wasser, in form von niederschlägen und bodenwasserhaushalt. bei den niederschlägen sind entscheidend die art (regen, schnee, nebel und tau), die menge und die verteilung über die zeit. niederschläge sind abhängig vom breitengrad, wasseraufnahme ist abhängig von der temperatur und der topografischen lage, von der wasser- und landverteilung. so wird zwischen ozeanischem und kontinentalem klima unterschieden. in vorarlberg haben wir etwa durch feuchte luft vom atlantik (ozeanisches klima) und deren stauung im vergleich zu inneralpinen tälern bis zu 3mal mehr niederschläge.
haben wir auf die niederschläge keinen einfluss, ist es um so wichtiger auf den bodenwasserhaushalt zu achten. ob der boden lehmig oder sandig ist, also die körnung spielt im abfluss und haltevermögen eine wichtige rolle, aber gleichauf ist die krümelung des humus. eine krümelerde kann bis zum 27fachen des eigengewichts wasser speichern. krümel verhindern oberflächlichen wasserabfluss. ein gute krümelstruktur ist entscheidend für die wasseraufnahme und die speicherfähigkeit des wassers im boden. das speichern von feuchtigkeit im boden ist entscheidend für das bodenleben und die vegetation. eine durchgängige gründecke verhindert wasserverdunstung, führt zu einer besseren taubildung und vermeidet erosionen. eine gute durchwurzelung des bodens ist für den wasserabfluss förderlich. verdichtung und versiegelung von flächen sind zu vermeiden.

ein weiterer, für den boden relevanter klimatischer faktor ist der wind. er ist abhängig von der sonne, ist träger und transporteur von feuchtigkeit. er bringt und nimmt (verdunstung) wasser. ozeane, wüsten und polare zone sind wichtige topografische einflüsse für winde. aber auch landschaftsformen, flachland und berge, welche durchzugs- und staulagen bilden und so entstehen in verschiedenen tälern eigene klimatische einflüsse. generell ist zu sagen, dass die windstärke mit zunehmender höhe zunimmt.
die vegetation und menschliche verbauungen nehmen einfluss auf bodennahe winde. inwieweit diese in bodennähe gebremst werden, ist abhängig von der lage und verbauung. so sind hecken ein guter schutz gegen erosion, verdunstung und auskühlung. terrassen bilden schutzzonen.

wie wind, wasser und sonneneinstrahlung, ist auch die landschaft, die topografie ein klimafaktor. so bilden die verschiedenen höhenlagen ihre jeweils eigenen ökozonen. 
die temperatur veringert sich alle 100 höhenmeter um ca 0.52°, was ungefähr 100km polwärts entspricht. so bilden sich je landschaft verschiedene ökozonen, im grunde hat jede talschaft ihr eigenes spezielles klima. 
eingriffe in die landschaft sollten vorsichtig getätigt werden, bei änderungen sollte auf den landschaftseigenen charakter eingegangen werden.
der boden
rund 90 % der auf der erde vorkommenden hauptmineralien sind silikate. deren hauptgruppen sind quarz, feldspäte und glimmer

grundsätzlich unterscheiden wir bei den gesteinen zwischen magmaiten (tiefengestein und ergussgestein), metamorphiten (umwandlunggestein durch druck oder hitze) und sedimentsgesteinen (verwittertes und angeschwemmtes). die sedimentsgesteine sind für den bodenaufbau das wichtigste gestein. es werden allerding nur 5% des gesteins dazu gezählt. sie machen allerdings 75% der oberfläche aus. sedimente sind entstanden durch mechanische (wasser, hitze und kälte), chemische (säuren) und biologische (wurzeln) zersetzung. anhand der korngröße unterscheiden wir zwischen kies (2 - 200mm), sand (0,063 – 2 mm), schluffe (0,002 – 0,063mm), lehme und tone (kleiner als 0,002m). 
verwittertes gestein vor ort oder anschwemmungen sind das ausgangsmaterial für die bodenbildung (rohböden). durchsetzt mit organischer substanz (kohlenstoff) ergibt dies eine ganz dünne schicht (5-50cm) des planeten, auf der die vegetation gedeihen kann. 
global gesehen sind auf der vorhandenen landfläche 40% unfruchbare tundren und wüsten. 35% sind mäßig fruchtbar (podsole und latosole böden). dazu kommen 6% mittlerer güte, 20% sind von natur aus fruchbare böden. zu unfruchtbarem land gehören auch, wie zumeist nicht bekannt, die immerfeuchten tropen - trotz der artenfülle des regenwaldes. bei einer rodung und darauf folgende landwirtschaftliche nutzung kommt es durch die hitze und den vielen regen innerhalb kürzester zeit zu ausgeschwemmten und mineralisierten böden. 
die gesteinsarten sind vom p/hwert verschieden. dieser wert ist silizium-gehalt-abhängig. sauer sind demzufolge alle gesteine mit einem hohem silikatanteil. so gelten als saure gesteine granit, gneis, glimmerschiefer oder phyllit. neutrale gesteine sind porphyrit, diorit, andesit und basische gesteine sind basalt, dolerit, diabas, gabbro. durch verschiedene mineralische zuschlagstoffe kann der p/h-wert beeinflusst werden. zusätzlich kann auf die grundkörnug des bodens, sand- oder lehmböden, durch die körnung des zuschlagstoffes ein einfluss genommen werden.
der humus
humus ist abhängig von der organische masse und vom bodenleben
der humus kann auch als „lebewesen“ gesehen werden, organische masse wird umgebaut und nährstoffe frei gesetzt. 
 
im grünland ist im vergleich zum ackerland ein hoher humusanteil. um humusverbesserungen zu erzielen, muss das bodenleben gefüttert werden. das heißt, dass organische masse auf das feld gebracht werden muss. die organischen bestandteile werden vom bodenleben, so weit es vorhanden ist, umgebaut und und der humus bleibt erhalten. sollte das bodenleben gestört sein, sollte dieses mit kompost geimpft werden. der abbau kann gestört sein durch trockenheit, dauernässe, kälte oder einem zu niederen ph-wert. ein humusgehalt unter 3% kann kaum mehr organische masse verarbeiten, geschweige humus aufbauen. Böden mit unter 1-3% humus sind sehr schwach humos, 8 bis 15% sind stark humos. zu stark humose böden, 30% und mehr, werden die nährstoffe nur schwer frei gesetzen. 
aus der organischen masse bildet sich im hunus der kohlenstoff, dieser hält die nährstoffe für die pflanzen bereit, gibt sie durch die huminen säuren wieder ab. der humus wird und ist für die co2-problematik ein wichtiger aspekt. würde humus aufgebaut, wird kohlenstoff in den boden eingebaut und gelagert, würde der co2-überschuss in der atmosphäre verringert.

es gibt zwei faktoren, die für die bodenfruchtbarkeit maßgeblich sind. das ist einerseits der ph-wert (verfügbarkeit der nährsalze und nährstoffe, bezeichnet sauer/basisch) und andererseits der c/n-wert (stickstoffverfügbarkeit). beide sind auch wichtig für das bodenleben.
zum ph-wert: dieser sollte möglichst neutral sein, zwischen 5,5 und 7, je nach anbau und tongehalt des bodens. der ph-wert kann durch gesteinsmehl oder sand, aber hauptsächlich durch kalk (anhebung) gesteuert werden. zum c/n-wert: er entscheidet über stickstoffverfügbarkeit. dieser sollte bei 10:1 liegen. 

das bodenleben wird auch als das edaphon bezeichnet, unterteilt in pflanzliche organismen, die bodenflore. dazu gehören pilze, algen, flechten, eigentlich auch wurzeln. weiters die bodenfauna, die tierchen im boden in verschiedensten größen wie einzeller, urtiere, rädertiere wie auch milben, asseln, würmer, insekten. es gibt eine dritte gruppe von mikroorganismen, die nicht zugeordnet werden kann wie bakterien. diese gehören mit 40% neben pilzen und algen, die auch 40% ausmachen, zu den größten zwei gruppen. zum bodenleben gehören noch zirka 12% regenwürmer und der rest ist sonstige bodenfauna. 
das königstierchen im boden, das für die umsetzung und belüftung des bodens sorgt, ist der regenwurm. regenwürmer ernähren sich von der von der erde besetzten humusstoffen, algen und bakterien. ausgeschieden wird wurmkot. dieser hat bis zu 5 mal mehr stickstoff, 7x mehr phosphat, 11x mehr kalium als die vorher aufgenommene nahrung/erde. regenwürmer ziehen viel trockenes, frisches und angerottetes organisches material in den unterboden, eine art reservoir, vorrat. seine gänge gehen tief in den boden und sorgen für die belüftung und wasserabfluss. die pflanzen nützen die gänge teilweise für die durchwurzelung. der regenwurm bevorzugt mistgedüngte böden, sucht abgedeckte flächen und feuchte böden. er verträgt keine gülle bzw jauche, keine npk-dünger und keine direkte sonne.
viele faktoren sind für das leben im boden verantwortlich, maßgeblich sind: feuchtigkeit, luft, temperatur und organische masse. um diese faktoren gut zu steuern, braucht es die krümel. 
die krümelstruktur wird vom bodenleben gebildet und ist eine lebendverbauung. diese krümel sind äußerst saugfähig. weiters sind die krümel wichtig für die belüftung des bodens und für die durchwurzelung der pflanzen. kaum krümelbildung kann an mangelndem kohlenstoff, zu wenig bodenleben oder kalkmangel liegen. optimal wäre eine krümelung bis zu 30 - 50cm tiefe.


der humus kann anhand verschiedener methoden beurteilt werden (abseits von chemischen analysen):

spatenprobe: eine spatengroße und spatentiefe grasnarbe oder ackerkrumme wird vorsicht ausgehoben ohne zu verdichten, auf eine unterlage gelegt und von unten vorsichtig abgekratzt. die krümelung (minipopcorn) wird sichtbar. es sollte nach walderde riechen, keine fäulnis. weiters können aus der tiefe und menge der durchwurzelung rückschlüsse gezogen werden. zudem sollten mindestens 10 regenwürmer zum vorschein kommen. auch sollte darauf geachtet werden, dass wenig unverrottetes organisches material im boden zu finden ist (außer wurzeln). kommen dichte brocken, die scharfkantig brechen, deutet das auf bodenverdichtung hin.
 
krümelstruktur: wenige krümel in eine dünne wasserschicht legen, 10 minuten ziehen lassen und leicht schütteln, am verfall ist die krümelfestigkeit zu erkennen.
 
wasserhaltevermögen: erde wässern, 12 stunden abtropfen lassen, wiegen und bei 110°C trocknen, der gewichtsunterschied ergibt das haltevermögen.
 
humusgehalt: der humusgehalt wird durch ausbrennen bei 650°C festgestellt. die gewichtsreduktion gibt den kohlenstoffgehalt wider. probe erst bei 110°C vortrocknen und dann wiegen. eine vage einschätzung kann über die farbe des humus gemacht werden.
 
korngrößen: eine trockene erdprobe in einem glas mit mindestens doppelt so viel wasser sorgfältig schütteln. je nach absetzung wird die korngrößenverteilung sichtbar. von unten sand, schluff, lehm, humus, die wasserfarbe zeigt die huminstoffe und obenauf schwimmt das organische material.
 
reaktionszahl (p/h): durch 10% salzsäure auf die erdprobe sollte ein schäumen zumindest hörbar sein. oder die humusprobe in destilliertem wasser schütteln und auflösen und mit einem p/h-messstreifen den wert festlegen. kalkzeiger sind taubnesseln, klettenlabkraut, breitwegerich, ehrenpreis, storchschnabel, hornklee, knabenkraut
 
stickstoff: wird chemisch analysiert. zu sehen ist er durch stickstoffzeigerpflanzen wie hahnenfußgewächse, brennnessel, wiesenkerbel und bärenklau.
die vegetation
unser kulturland, das grasland, ist eigentlich nur durch die bewirtschaftung durch den menschen entstanden. magerrasen wurde genutzt und gepflegt, wald genutzt und gerodet, randflächen zu feuchtgebieten wurden verstärkt bearbeitet. in hochmooren wurde torf abgebaut und dadurch nutzbar, niedermoore wurden mit einfachen gräben entwässert. so entwickelten sich über die jahrtausende mäßig genutztes weideland und eine große pflanzenvielfalt. fett- und futterwiesen mit der heute bekannten intensiven nutzung sind relativ neu und erst durch den maschinellen einsatz möglich geworden. es handelt sich immer öfter um futteranbau, einer ackerkultur ähnlich, nicht allzuviele pflanzen halten hier mit. so vermehren sich auf einer intensiv genutzten wiese nur noch die pflanzen, die eine vegetative möglichkeit durch ausläufer und wurzelausschlag haben. einsäen wird notwendig. 
dieses kulturland ist erst durch die nutzung und pflege entstanden. es ist auf einen dichten bewuchs zu achten, um einen schutz für den boden zu erhalten. erreicht wird das durch mittlere nutzung, frühe weidenutzung, den richtigen schnittzeitpunkt und einer angemessenen schnitthöhe von 7cm. der wasen ist dadurch widerstandsfähiger, vermindert temperaturschwankungen im boden, wasser- und winderosionen und nicht zuletzt auch die bodenverdichtung.
 
weiters ist es wichtig, dass eine gute mischung zwischen flach- und tiefwurzlern vorhanden ist. 
 
bäume haben die wichtige aufgabe, tiefere bodenschichten aufzuschließen.
 
mit dem wissen über die einzelnen pflanzen, ihre wuchs- und lebensform, vermehrung und standortkunde kann die art der böden und deren nährstoffe gedeutet werden. die vegetation lässt rückschlüsse auf das klima zu und zeigt uns eventuelle bewirtschaftungsfehler. 
 
im folgenden eine kurze ansatz einer zusammenstellung von zeigerpflanzen
  • schwerere, feuchte böden: fuchsschwanz, hahnenfuß
  • staunässe: huflttich, schachtelhalm
  • viel kalk: ackersenf, taubnesseln, klettenlabkraut, breitwegerich, ehrenpreis, gold-kälberkopf, storchschnabel, hornklee, roßminze, knabenkraut
  • wenig kalk: kleiner sauerampfer, lämmersalat, ackerspörgel, hasenlattich
  • viel humus und stickstoff: vogelmiere, ehrenpreis
  • stickstoff: wiesenkerbel, gewöhnlicher beifuß, gewöhnlicher girsch, blauer eisenhut, gold-kälberkropf, wiesenbärenklau
  • stickstoff und eisen: brennessel
  • stickstoff und lückig: ampfer
  • verdichtung, übernutzung: ampfer, löwenzahn, kriechender hahnenfuß, breit-wegericht, ausläuferstrausgras
  • lückenbüßer:löwenzahn, hirtentäschel, scharbockkraut, behaartes schaumkraut, kriechender hahnenfuß, jährige risbe, ausläufer-straußgras
  • magerkeitszeiger: rot-schwingel, hainsimse, zittergras, bürstling, rauer löwenzahn, margerite
  • unternutzungszeiger: distel, klappertopf-arten
die
bewirtschaftung 
vielfältig ist die nutzung von land und doch oft regional zu einseitig. so gibt es ackerbau, grasland, wald und plantagen für pflanzenbau, tierproduktion, bioenergie und materialerzeugung. 
 
grasland wird hauptsächlich zum futterbau für tier- und milchproduktion verwendet. möglichkeiten für die energiegewinnung und materialerzeugung werden noch kaum genutzt, werden aber in zukunft zunehmen.
 
früher hat es den beruf des wiesenbaumeisters gegeben. das zeigt, wie wichtig die kultivierung und bewirtschaftung von grasland war. prinzipiell ist zu sagen, dass eine mäßige bewirtschaftung der wiesen zu einer großen artenvielfalt geführt hat. es heißt, dass eine mittel-extensiv bewirtschaftete wiese das rückgrat einer landwirtschaft ist. damit bleiben ein grundstock und eine vielfalt von pflanzen ansässig und saatgut vorhanden.
 
im ackerbau sind eine gute fruchtfolge, gründüngung und bodenbedeckung, evt untersaat, mischkulturen und minimal-bodenbearbeitung wichtig, um einigermaßen den humus zu erhalten. in der graslandwirtschaft ist das humusproblem nicht so gravierend wie im ackerbau. 
nichtsdestotrotz kann einiges aus dem ackerbau für das grasland und vor allem für den intensiven futterbau übernommen werden. zum beispiel gründüngung durch mulchen im herbst oder nicht zu kurz schneiden, damit eine bodendeckung gegeben ist und die pflanzen noch nährstoffrücklagen haben. weiters eine art fruchtfolge, indem die schnittzeitpunkte gewechselt werden, um eventuell den pflanzen die möglichkeit der versämung zu geben. so könnten auch ruheperioden in form extensiver bewirtschaftung eingeführt werden. weiters wäre es gut, auf stickstoffbildende pflanzen, also leguminosen zu achten.
die
landschaftspflege
landschaftspflege wird immer wichtiger, immer mehr flächen werden brach liegen, weil sich die bewirtschaftung durch den landwirt finanziell nicht mehr trägt. in baden-württemberg gibt es schon seit über 30 jahren versuche mit der offenhaltung der landschaft und erhaltung der kulturlandschaft. das wird in der zukunft sicher eine zusatzaufgabe für landwirte.

in der landschafts- und grünraumpflege müssen die ziele genau definiert werden. geht es nur darum, die verbuschung und verwaldung zu verhindern und um eine erhaltung des landschaftbildes oder geht es darum, die pflanzenvielfalt zu erhalten oder gar um die förderung gefährdeter pflanzen?
 
die meist verwendete variante zur pflege ist das mulchen. dieses ist auch am günstigsten, wenn die erträge nicht genutzt werden. wenn zweimal im jahr gemulcht wird, wird das material innerhalb von 4-6 wochen abgebaut. bei einmal jährlich mulchen, geht es länger, das material ist holziger. ausschlaggebend für die zersetzung sind natürlich die feuchtigkeit des bodens und das bodenleben. bei dieser pflegeart wird der pflanzenbestand etwas krautiger, auf trockenen standorten stellt sich der grasbestand wieder ein. die vielfalt geht etwas zurück, wird lückiger, und lichtbedürftige pflanzen nehmen zu. es hat den anschein einer gewissen hagerkeit, aber die erträge bleiben stabil. im humus kommt es zu einem leichten nährstoffüberschuss, der allerdings mineralisiert ist und es kommt zu keinen auswaschungen. der c/n-wert ist leicht erhöht, die reaktionszahl (p/h) sinkt.
sonstige pflegemassnahmen: kontrolliertes abbrennen als pflegemaßnahme ist aufwändiger und stört das ökologische gleichgewicht erheblich. das gras abführen und verwerten ohne zu düngen führt schnell zu aushagerung. die extensive beweidung wäre eine sinnvolle möglichkeiten, um bestand, vielfalt und narbendichte zu erhalten, noch besser in kombination mit der mulchung und so sind wir wieder bei der landwirtschaft. 
 
biotope wie magerwiesen, feuchtwiesen oder blumenwiesen fördern die ökologische vielfalt und dadurch ergibt sich eine wertsteigerung des lebensumfeldes. um das kulturland zu erhalten und eine strukurvielfalt zu fördern, sollten verschiedenste methoden der nutzung und bewirtschaftung ergriffen werden. 
bei neukultivierung, wieder begrünung oder aufforstungen, muss auf pionierpflanzen geachtet werden. genauso sollte man auf pflanzen zurückgreifen. die eine verbindung mit knöllchenbakterien eingehen. diese rhizobien kommen bei den meisten leguminosen und hülsenfrüchten vor, auch goldregen und robinie gehen eine symbiose ein.
 
in vorarlberg wurde und wird ein großteil des kulturlandes durch entwässerung geschaffen. durch unsere stark lehmhaltigen unterböden waren sehr viele flächen feuchtwiesen und moore. entwässerung ist ein teil unserer landwirtschaftlichen kultur. es soll hier aber ein gewisses mindestmaß von restflächen erhalten bleiben, um die ökologie zu erhalten und den wasserspeicher zu gewährleisten. vielleicht wird es durch die klimaveränderung notwendig, gewisse renaturierungen durchzuführen. gerade hochgelegene moore sind wichtige rückhaltespeicher und filteranlagen für wasser, da die gletscher wegschmelzen.
bodenschützende anbaukulturen
um die klimatischen einflüssen ein wenig zu regulieren, können verschiedene eingriffe gemacht werden, hier sind zu erwähnen:

agroforstkulturen bestehen aus baumreihen, die in 20 bis 40 m abstand gepflanzt werden. 25 bis 50 bäume, obst- oder edellaubbäume, und als hochstamm gezogen. in unmittelbarer nähe der bäume geht der ertrag etwas zurück, aber insgesamt kann diese anbaukultur zu bis zu 40% ertragssteigerung führen. die lichtkonkurrenz führt zu einer späteren, aber besseren entwicklung und reife. durch die tiefe verwurzelung werden neue nährstoffschichten angezapft. die bäume wirken als windbremse, sind rückzugsorte für nützlinge, regulieren besser den bodenwasserhaushalt und stabilisieren den wasen. streuobstwiesen wurden schon früh verwendet, gerade etwas nässere böden wurden dadurch stabilisiert.
hecken, strauch- und baumstreifen, sind auf weiten flächen und je nach topografie (hangkanten, gewässer) quer zur hauptwindrichtung zu empfehlen. die unteren windschichten werden gebremst, auskühlung, austrocknung und winderosion verhindert. im ideallfall kann es durch die strömungsverwirbelung zu staub- und nährstoffablagerungen kommen. weiters sind hecken unterschlupf und ruhezonen für viele tierarten. die wirkung einer 8m hohen hecke ist bis zu 300m nachweisbar. laut untersuchungen kann es zu ertragssteigerungen über 20% im näheren bereich kommen.
aufforstungen von steillagen, auch in hohen lagen, sind ein wichtiger beitrag zur lawinenverbauung und als wasserschutzmaßnahme. wälder müssen auch gepflegt werden, um ein aktives ökosystem zu erhalten. bei aufforstungen ist generell zu sagen, dass bäume wirklich standortgerecht ausgesucht werden müssen, das saatgut aus gleichen höhenlagen kommen und auch die aufzucht in ähnlichen verhältnissen erfolgen muss.
bei terrassierungen sind trockensteinmauern ökologische nischen, welche durch die höheren temperaturschwankungen vielen tierarten zugute kommen und unterschlupf bieten. laut untersuchungen finden sich in trockensteinmauern viele verschiedene und teilweise seltene pflanzen und tierarten. durch die geschützten lagen können nischen geschaffen werden, die für garten und früchteanbau von vorteil sind. terassierungen sind in feuchten klimazonen eher nur für die südausrichtung geeignet. für die bewirtschaftung in trockenen zonen sind sie sehr gut geeignet. ein besserer wasserrückhalt wird gewährleistet und tiefer humusschichten, wie ein erosionsschutz. die einstrahlung und damit die direkte bodenerwärmung und deren verdunstung werden vermindert, teilweise gibt es auch eine taurückhaltung. 

eine humusverbesserung und ein humusaufbau sind notwendig zur steigerung der fruchbarkeit und der erhaltung der biologischen aktivität. humusaufbau ist der faktor, mit dem wir klimaeinflüsse am besten ausgleichen. ein wichtiger aspekt ist auch die kohlenstoffspeicherung, auch um den co2-anstieg in der luft zu verlangsamen. ein boden unter 5% humusgehalt hat nicht das nötige bodenleben, um humus aufzubauen. es muss mit mehrmaligen, kräftigen kompostgaben nachgeholfen werden. 
eine bodenverbesserung wird auch durch den ausgleich der körnung erzielt. bei lehmigen böden sand als zuschlagstoff geben, bei sandigen böden lehm. wichtig ist in diesem zusammenhang die bodendeckung als schutz für den humus. auf nackten böden können temperaturen bis zu 100°c entstehen und bei großen regenmengen kommt es zu auswaschungen. vegetation schützt und stabilisiert den humus. 
der erste schritt für den humusaufbau wäre, den humusgehalt auf 10-15% steigern, der zweite wäre die humustiefe zu erweitern und ein aktives bodenleben zu erhalten.
langjährige versuche in der landschaftspflege, bei der die gesamten pflanzen immer gemulcht liegen gelassen wurden, zeigen, das der humusaufbau nur sehr gering ist. um wirklich humusaufbau zu betreiben, muss zusätzliches material zugeführt werden. alle organische masse, die man bekommen kann, zu kompost verwerten, um eine steigerung zu erreichen. gut in diesem zusammenhang sind wiederum leguminosen für stickstoff und durchwurzelung.
bezüglich kompostierung gibt es verschiedene arten: die haufenkompostierung, mietenkompostierung oder tunnelkompostierung wie die flächenkompostierung. die wichtigste form ist die mietenkompostierung mit trapez- oder dreiecksmieten, große oder kleine mieten. große mieten müssen öfter gewendet werden, damit besser frischluft dazu kommt, kleine werden seltener gewendet. zu wenden sind die mieten zumindest kurz nach der ersten heißphase/hauptrotte (60-80°) und dann nach gutdünken bzw. nach notwendigkeit aufgrund der feuchte und der temperatur, alle zwei wochen, oder zwei monate, oder überhaupt nur zwei mal, um die nachrotte aktiv zu halten. kompost kann in vier monaten fertig sein, wird auch bis zu 12 monate gelagert, je nach ziel. so können wir verschiedene komposte erzeugen, von nährkompost (frischekompost) bis zu rohkompost (mineralisiert). nährkompost hat die nährstoffe noch nicht mineralisiert, ist gut für die düngung und die impfung des bodenlebens. rohkompost ist notwenig, um einen humusaufbau auf dem feld zu erzielen. je länger ein kompost gelagert wird, desto mehr veringert sich das volumen, aber auch die nährwerte. sie werden mineralisiert. 
durch beisetzung von knochenmehl kann dem kalken entgangen werden, ansonsten beim ausbringen muschelkalk beisetzen. auch hier soll urgesteinsmehl ein gute nährstoffbindung haben, asche gibt zusätzliche mineralien. je nach boden, auf dem der kompost ausgetragen wird, können verschiedene zuschlagstoffe dazu gegeben werden. sand und normale erde können bei lehmigen böden beigemischt werden, bei sandigem boden lehm und ziegelsplitt.
terra preta heißt eine in amazonien gefundene erde. dabei handelt es sich um eine noch nicht ganz erforschte art der erdaufbereitung. entstanden ist eine sehr fruchtbare „schwarzerde“ mit einen hohen anteil an kohlenstoff. heute werden versuche mit der beimengung von biokohle/holzkohle gemacht. 
eine überlegung: wer keinen hächsler hat, könnte köhlern (pyrolyse). grobes organisches material anzünden und mit erde zuschütten. in der keramik wird das als schmauchbrand bezeichnet.
gündüngung, ein wichtige komponente zu den kompostgaben, um die vielfalt des bodenleben zu erhalten. alles was ab september wächst, sollte im oktober gemulcht werden. so kommt das bodenleben zu seinem futter. zusätzlich entsteht eine isolationsschicht für den winter. das bodenleben wird dadurch weniger gestört, der boden kühlt weniger ab. gründüngung und flächenkompostierung erhöhen die bandbreite des bodenlebens.
humusaufbau ist ein wichtiger hebel um klima- und wetterperioden wie trockenheit und näss zu überbrücken.

resümee
hier beende ich meine arbeit. abschließend möchte ich noch drei schlussfolgerungen formulieren, die mir im zusammenhang mit der thematik zentral erscheinen:
1) wir sollten den humus und den boden pflegen, um den pflanzen eine gute grundvoraussetzung zu geben. das heißt, für das bodenleben zu sorgen und es zu füttern.
2) die natur sollte mäßig genutzt werden, um die ökologische vielfalt zu fördern. die pflanzenbestände sollten gepflegt und /verantwortungsvoll genutzt werden, um eine gewisse aktivität der natur zu erhalten und zu erweitern.
3) es ist wichtig, humus so gut wie möglich aufzubauen. kohlenstoff speichern führt zu einer langfristigen fruchtbarkeit und einer klimaregulierung.
 

 

informationsmaterialien, die mir zur verfügung standen, sind die unterlagen der einzelnen vortragenden josef moser, christian meusburger, helga wagner, andre gilhofer, josef braun, andreas bohner, walter dietel, josef zöchbauer
sowie das bodenhandbuch für das grünland des lfi bzw von bioaustria.


bücher

-humusaufbau – gerald dunst
ökoregion kaindorf
-artenreiches grünland in der kulturlandschaft
verlag regionalkultur
-praktische landschaftspflege – jedicke/frey/hundsdorfer/steinbach
ulmer
-bodenkunde in stichworten – winfried blum
gebr. borntraeger verlagsbuchhandlung
-spezielle geobotanik – pott, hüppe
springer
-lehrbuch der bodenkunde – scheffer/schachtschabel
spektrum verlag
-ökologischer wiesenbau – walter dietel, josef lehmann
av buch
-kulturgrasland – hartmut dierschke, gottfried briemle
ulmer verlag
-ökozonen – jürgen schultz
utb


links

http://www.fibl.org 
http://www.oekoregion-kaindorf.at 
http://www.lebensministerium.at/ 
http://www.landnet.at/ 
http://www.bio-austria.at 
http://www.agrarnet.info 
http://www.ages.at 
http://www.orbi.or.at 
http://www.lfl.bayern.de 
http://www.landwirtschaft.sachsen.de 
http://www.landwirtschaft-bw.info 
http://www.oekolandbau.de 
http://www.umweltbundesamt.de 
http://www.bodenkompass.at/ 
http://hypersoil.uni-muenster.de/0/04/04.htm 
http://www.makumee.de 
http://www.der-boden-lebt.nrw.de/ 
http://www.bodenwelten.de/ 
http://www.bodenkarte.at/ 
http://www.bodeninfo.net 
http://www.bildarchiv-boden.de 
http://www.bodenexponate.de/htm/overview.htm## 
http://www.oeag-gruenland.at 
http://www.raumberg-gumpenstein.at 
http://www.meine-landwirtschaft.de 
http://www.hessen.de/irj/HMULV_Internet?cid=aa29d1a62ee51bf9bf9456e8d0bda9f7